Ein Auto, eine Saison und eine neue Generation von Ingenieuren
Ein Blick hinter die Kulissen von AMZ Racing: Neuigkeiten vom letzten Rennen bei der Formula Student Switzerland

Im letzten Artikel „Förderung der nächsten Generation von Ingenieuren" wird hervorgehoben, warum INFICON den Academic Motorsports Club Zurich (AMZ) unterstützt: ein Team, das wie ein Unternehmen geführt wird, einen eigenen Software-Stack entwickelt und Ingenieure ausbildet, die später in Hightech-Unternehmen wie unserem arbeiten. Im Juli fand das erste Rennen dieser Saison statt.
Neras erstes Rennen in den Bergen
Vom 9. bis 15. Juli 2026 brachte die Formula Student Switzerland 21 internationale Teams nach Geschinen in den Schweizer Alpen. Die Veranstaltung fand erstmals 2022 statt und zählt damit zu den jüngsten im Formula-Student-Kalender. AMZ trat mit „Nera" an, dem Kohlefaser-Monocoque-Prototyp, den wir in unserem ersten Artikel vorgestellt haben.
Das Team ging zuversichtlich, aber nicht übermütig in die Veranstaltung. Vor der Disziplin Beschleunigung sagte CEO Alexander Hefele: „Wir haben dieses Jahr starke Konkurrenz. Ein paar gute Teams aus Deutschland – aus Karlsruhe, Esslingen und München – sowie aus Delft in den Niederlanden sind ebenfalls hier. Es wird nicht einfach, aber wir geben unser Bestes."

Schnellste auf der Strecke
Bei der Formula Student werden die Teams sowohl in theoretischen als auch in praktischen Disziplinen bewertet, von der Präsentation des Businessplans und der Kostenkalkulation auf der theoretischen Seite bis hin zu den verschiedenen Fahrdisziplinen.
Bis Dienstag zählte AMZ in den Disziplinen Beschleunigung, SkidPad und Autocross zu den besten Teams und erzielte dort jeweils die schnellste Zeit. Doch bei der Formula Student kann eine einzige Disziplin noch alles auf den Kopf stellen und genau das stand AMZ als Nächstes bevor: Endurance, die letzte und härteste Prüfung der Veranstaltung, 22 Kilometer mit obligatorischem Fahrerwechsel. „Wir haben soweit alle praktischen Disziplinen gewonnen“, sagte Hefele. „Jetzt kommt es vor allem darauf an, Endurance zu beenden und das mit einer guten Zeit. Die Anspannung ist groß, alle sind nervös. Ich auch.“
Damit begannen die Probleme. Zwar überquerte Nera die Ziellinie, doch bei der technischen Abnahme nach dem Rennen zeigte sich ein Bremsflüssigkeitsaustritt an der Verbindung zum linken Hauptbremszylinder und das Fahrzeug wurde daraufhin vom Endurance-Rennen disqualifiziert. AMZ legte Einspruch ein und argumentierte, dass die Rückstände von Kondenswasserbildung im Vorratsbehälter einer drucklosen Leitung stammten und nicht von einem tatsächlichen Leck, und dass die Funktionsfähigkeit des Bremssystems bei der Nachkontrolle bestätigt worden sei. Die Rennleitung wies den Einspruch zurück: Die an der Verbindung gefundene Flüssigkeit deute auf ein echtes Leck hin, das selbst in einem drucklosen Abschnitt zu kritischem Bremsversagen führen könne, und verhängte 25 Strafpunkte. Die Disqualifikation kostete AMZ den Podestplatz, der eigentlich in Reichweite war, und ließ das Team in der Gesamtwertung der Klasse auf den vierten Platz zurückfallen. Nera fuhr an diesem Tag zudem einen separaten autonomen Stint und gewann damit souverän den Driverless Cup. Ein Pokal wäre schön gewesen, doch für AMZ zählt am Ende vor allem, die Fehlerursache aufzuspüren, den Fehler zu beheben und ihn für künftige AMZ-Teams zu dokumentieren.
Eine Disqualifikation beim Endurance-Rennen ist genau die Art von Problem, die AMZ lösen soll: die Ursache aufspüren, das Problem vor dem nächsten Rennen beheben und es für die Studierenden dokumentieren, die das Auto im nächsten Jahr übernehmen. Da in dieser Saison noch weitere Formula-Student-Rennen anstehen, beginnt dieser Prozess sofort.
Der Fahrer am Steuer
Ein Detail, das leicht übersehen wird: Auch die Fahrer bei der Formula Student sind Studierende und werden über ein offenes, schweizweites Auswahlverfahren bestimmt. „Der Fahrer muss Student sein. Wir schreiben die Stelle landesweit aus, und die Bewerber melden sich bei uns“, erklärte Hefele. Die diesjährigen Fahrer brachten unterschiedliche Hintergründe mit: Der eine fuhr schon als Teenager in Italien Go-Kart und tut dies auch heute noch, der andere sammelte seine Erfahrung größtenteils im Simulator.
Warum dies eine Ausbildungsstätte ist und nicht nur ein Rennteam
Dabei geht es längst nicht nur um den Fahrersitz: Die Fahrzeuge werden fast vollständig innerhalb eines Jahres neu entwickelt. Rund 16 Studierende der ETH Zürich arbeiten im Rahmen des universitätseigenen „Focus Project“-Programms ein Jahr lang in Vollzeit daran, unterstützt von Studierenden der Hochschule Luzern, die an Teilzeitprojekten mitwirken. Die meisten verlassen das Team nach Ablauf ihres Jahres wieder. „Die Lernkurve am Anfang ist extrem steil“, sagte Laage. „Bevor ich dazukam, war ein Reifen für mich einfach nur etwas Schwarzes und Rundes. Zwei Wochen später wusste ich schon alles über Temperatur, Druck und sein Verhalten beim Bremsen.“ Um dieses Wissen weiterzugeben, dokumentiert AMZ alles: Checklisten in gemeinsam genutzten Tabellen und ein selbst gehostetes Wiki, das bis ins Jahr 2010 zurückreicht und in dem jeder Ingenieur festhält, wie sein Teil des Autos konstruiert wurde.
Vom Rennwagen zur Karriere
„Als ich hier anfing, dachte ich, dass jeder irgendwann in der Formel 1 landen würde“, sagte Laage. „Die Realität sieht anders aus. Die Leute hier sind von der Technik an sich fasziniert, der Motorsport ist nur der Rahmen.“ Ehemalige Studierende gehen zwar auch in den Motorsport, vor allem aber in die Robotik, die Luft- und Raumfahrt und die Hightech-Branche im Allgemeinen, also genau in die Bereiche, in denen auch INFICON tätig ist. Die Subsysteme, die die AMZ-Ingenieure jedes Jahr entwickeln, darunter Sensorik, Aerodynamik, Leichtbaukonstruktionen und eingebettete Software, lassen sich direkt auf die Hightech-Fertigung übertragen.
Nächste Rennen
Geschinen war nur eine Station in einer längeren Saison. Für AMZ stehen 2026 noch weitere „Formula Student“-Veranstaltungen an, doch der Höhepunkt der Saison kommt erst noch mit der „Formula Student Germany“ am Hockenheimring vom 11. bis 16. August, die als die prestigeträchtigste Veranstaltung im Kalender gilt. Nach dem Rennen in Tschechien kann AMZ in Hockenheim erneut zeigen, wie schlagkräftig das Fahrzeug im starken internationalen Wettbewerb ist – wir freuen uns darauf, das Team durch den Rest der Saison zu begleiten.
Erfahren Sie mehr über unsere Projekte

INFICON sponsert den Akademischen Motorsportverein Zürich (AMZ), das Studententeam der ETH Zürich, welches weltweit Maßstäbe im Bereich der elektrischen und autonomen Formula Student-Rennen gesetzt hat.

Überblick über Forschungsprojekte mit Partnern wie der NASA und der ETH Zürich. Wir streben danach, Innovationen voranzutreiben und technologische Grenzen zu überschreiten.

In Zusammenarbeit mit dem Robotic Systems Lab der ETH Zürich arbeiten wir an einem Projekt namens ARAMMIS - Autonomous Robots for Area Mapping, Monitoring, and In-situ Sensing.







